Hanau, 19. Februar 2020 : Wir erinnern in tiefer Trauer
Fünf Brunnen. Fünf Versprechen gegen das Vergessen.Am 19. Februar 2020 ist in Hanau etwas geschehen, das uns bis heute erschüttert. Ein rassistischer Anschlag hat neun unschuldige Menschen aus dem Leben gerissen. Neun Menschen mit Namen, mit Gesichtern, mit Familien. Neun Leben voller Träume und Hoffnungen. Neun Geschichten, die viel zu früh endeten.
Sechs Jahre sind vergangen. Doch Zeit heilt nicht alles.
Der Schmerz bleibt.
Die Trauer bleibt.
Und auch unser Bestürzen bleibt.
Für die Familien ist kein Tag wie der andere. Geburtstage, Feiertage, ganz gewöhnliche Momente – immer wieder wird spürbar, wer fehlt. Ein leerer Platz am Tisch. Eine Stimme, die nicht mehr ruft. Ein Lachen, das verstummt ist. Der Verlust ist nicht vergangen. Er ist Teil des Alltags geworden. Wir erinnern uns an die Tage nach dem Anschlag. An die Stille. An die Fassungslosigkeit. An das Gefühl, dass Worte nicht ausreichen. Wie kann ein Mensch so viel Hass in sich tragen? Wie kann so viel Leid in so kurzer Zeit entstehen?
Hanau ist mehr als ein Datum.
Hanau ist Mahnung.
Hanau ist Verantwortung.
Hanau ist Erinnerung.
Wir denken heute besonders an die neun Opfer. Wir denken an ihre Familien, ihre Freunde, ihre Gemeinschaften. Kein Wort kann ihren Schmerz lindern. Aber wir möchten sagen: Wir sehen euch. Wir fühlen mit euch. Und wir vergessen nicht. Erinnern heißt, die Menschen nicht zu Zahlen werden zu lassen. Sie waren Söhne und Töchter. Brüder und Schwestern. Väter. Freunde. Kollegen. Sie waren geliebt. Und sie werden geliebt. Als wir damals von dieser schrecklichen Tat erfuhren, wollten wir nicht nur trauern. Wir wollten ein Zeichen setzen. Ein Zeichen des Lebens. Ein Zeichen der Hoffnung. Ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung.
Dank eurer Unterstützung konnten wir fünf Brunnen in Bangladesch bauen.
Fünf Brunnen.
Fünf Orte, an denen heute sauberes Wasser fließt.
Fünf Zeichen der Hoffnung.
Fünf stillen Antworten auf Hass.
Fünf Versprechen gegen das Vergessen.
Warum Brunnen?
Weil Wasser Leben bedeutet. Weil Wasser Würde bedeutet. Weil Wasser Zukunft bedeutet. In vielen Regionen der Welt ist sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Kinder laufen weite Wege. Familien kämpfen täglich um eine der wichtigsten Grundlagen des Lebens. Mit jedem Brunnen wollten wir sagen: Wir setzen dem Tod das Leben entgegen. Wir setzen dem Hass die Menschlichkeit entgegen. Wir setzen der Dunkelheit ein Licht entgegen. Diese Brunnen stehen heute. Menschen schöpfen dort Wasser. Kinder lachen am Rand. Frauen und Männer füllen ihre Gefäße und tragen sie nach Hause. Vielleicht kennen sie die Geschichte dahinter nicht im Detail. Aber sie spüren, dass dieser Ort Hoffnung bringt. Für uns sind diese fünf Brunnen ein lebendiges Gedenken. Jeder Tropfen Wasser erinnert uns daran, dass aus Trauer Mitgefühl wachsen kann. Dass aus Schmerz Verantwortung entstehen kann. Dass wir gemeinsam etwas Gutes bewirken können. Denn auch wenn wir das Geschehene nicht rückgängig machen können, können wir entscheiden, wie wir darauf antworten.
Mit Gleichgültigkeit – oder mit Mitgefühl.
Mit Schweigen – oder mit Haltung.
Mit Resignation – oder mit Menschlichkeit.
Wir haben uns für Menschlichkeit entschieden. Und ihr habt diesen Weg mit uns gegangen. Eure Unterstützung hat es möglich gemacht, dass aus unserem Bestürzen konkrete Hilfe wurde. Dafür danken wir euch von Herzen. Doch bei allem Engagement wissen wir: Kein Projekt der Welt kann die verlorenen Leben zurückbringen. Kein Brunnen kann die Umarmung ersetzen, die fehlt. Kein gutes Werk kann die Leere füllen, die geblieben ist.
Was bleibt, ist unsere Erinnerung. Und unser Versprechen
Ein Versprechen, dass wir Rassismus klar benennen.
Ein Versprechen, dass wir Ausgrenzung nicht schweigend hinnehmen.
Ein Versprechen, dass wir füreinander einstehen.
Ein Versprechen, dass wir Menschlichkeit leben.
Ein Versprechen, dass wir die Opfer nicht vergessen.
Sechs Jahre nach Hanau stehen wir noch immer in tiefer Trauer. Aber wir stehen auch in Verantwortung. Verantwortung dafür, dass Hass keinen Platz bekommt. Verantwortung dafür, dass Vielfalt geschützt wird. Verantwortung dafür, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten. Vielleicht sind unsere Schritte klein. Vielleicht wirken fünf Brunnen angesichts eines so großen Leids wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch jeder Tropfen zählt. Jeder Akt der Menschlichkeit zählt. Jede Entscheidung für Mitgefühl zählt. Und genau das wollen wir weitertragen.
Am 19. Februar halten wir inne. Wir werden still. Wir denken an die Opfer. Wir denken an ihre Familien. Wir denken an die Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen – eine Zukunft ohne Hass, ohne Gewalt, ohne Ausgrenzung. Unsere Herzen sind bei den Hinterbliebenen. Wir fühlen mit euch. Auch nach sechs Jahren. Auch morgen. Auch in Zukunft. Mögen die Seelen der Verstorbenen in Frieden ruhen. Und mögen wir niemals vergessen, was am 19. Februar in Hanau geschehen ist. Mögen wir aus der Trauer Kraft schöpfen. Und mögen wir weiterhin Zeichen setzen – für Leben, für Hoffnung und für Menschlichkeit.
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